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Sie holen Angebote für Ihre zukünftige Photovoltaikanlage ein und stolpern über eine seltsame Kombination: 10 Kilowatt-Peak (kWp) Solarmodule, aber nur ein 8-Kilowatt (kW) Wechselrichter. Ihr erster Gedanke? Ein Planungsfehler. Oder versucht hier jemand, am falschen Ende zu sparen?
Tatsächlich ist das, was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, in den meisten Fällen eine der klügsten Entscheidungen für Ihre Stromrechnung. Diese bewusste „Überbelegung“ ist ein Zeichen für eine durchdachte Planung, die auf maximalen Jahresertrag statt auf theoretische Spitzenwerte abzielt – besonders hier bei uns in Bayern.
Wir erklären Ihnen, warum diese Asymmetrie nicht nur normal, sondern für Sie als Betreiber oft die weitaus wirtschaftlichere Lösung ist.
Um das Prinzip zu verstehen, müssen wir kurz zwei zentrale Begriffe klären, die oft verwechselt werden:
Der entscheidende Punkt ist: Die idealen Laborbedingungen der kWp-Angabe (25 °C Modultemperatur, 1.000 W/m² Sonneneinstrahlung, senkrechter Lichteinfall) treten auf einem echten Dach in unserer Region so gut wie nie gleichzeitig ein.
Ihre Solaranlage arbeitet unter realen Bedingungen, nicht im Labor. Mehrere Faktoren sorgen dafür, dass die tatsächliche Leistung Ihrer Module fast immer unter dem theoretischen kWp-Wert liegt:
Viele Faktoren beeinflussen die tatsächliche Leistung Ihrer Solarmodule im Alltag – die Laborbedingungen der Nennleistung werden nur selten erreicht.
Genau hier setzt das Prinzip der Überbelegung an: Anstatt das System für die wenigen perfekten Stunden im Jahr auszulegen, wird es für die restlichen 99 % der Zeit optimiert.
Wenn die Module also fast nie ihre volle Leistung bringen, warum sollte man einen Wechselrichter installieren, der die meiste Zeit nur gelangweilt auf seinen großen Einsatz wartet?
Eine kluge Überbelegung – beispielsweise 10 kWp Module an einem 8 kW Wechselrichter – sorgt dafür, dass der Wechselrichter viel öfter in seinem optimalen Arbeitsbereich läuft.
Jetzt kommt der Einwand, den jeder kritische Geist im Kopf hat: „Aber was passiert an den wenigen perfekten Tagen? Verschenke ich da nicht Energie?“
Ja, das tun Sie. Und das ist absolut so gewollt.
Wenn die 10-kWp-Module es für eine kurze Zeit schaffen, mehr als 8 kW Leistung zu erzeugen, kappt der Wechselrichter die Ausgangsleistung bei seiner Nennleistung von 8 kW. Diesen Vorgang nennt man „Clipping“. Die Leistungsspitze wird also abgeschnitten.
Die Grafik zeigt es deutlich: Die kleinen Spitzenverluste durch Clipping (rot) werden durch den massiven Mehrertrag im restlichen Jahr (grün) mehr als ausgeglichen.
Das klingt nach Verschwendung, ist aber ein kalkulierter Kompromiss. Analysen mit professioneller Software wie PVSOL zeigen, dass diese Verluste durch Clipping bei einer typischen Überbelegung von 120 bis 130 % oft unter 1 % des gesamten Jahresertrags ausmachen.
Der Gewinn durch die Mehrproduktion an den übrigen 360 Tagen im Jahr ist jedoch um ein Vielfaches höher. Sie tauschen also eine winzige Menge potenzieller Spitzenleistung gegen einen deutlichen Zuwachs an Gesamtenergie über das ganze Jahr.
Zusammengefasst bietet eine intelligent geplante Überdimensionierung entscheidende Vorteile:
Ist eine Überbelegung immer sinnvoll?
Bei Hausdachanlagen in unserer Region ist das in den allermeisten Fällen so. Der optimale Grad der Überbelegung (z. B. 120 % oder 150 %) hängt von der Dachaustrichtung, der Neigung und dem lokalen Klima ab. Eine professionelle Auslegung, wie wir sie bei JuraSol vornehmen, berechnet das ideale Verhältnis für Ihr individuelles Projekt.
Schadet die Überbelegung meinem Wechselrichter?
Nein, absolut nicht. Moderne Wechselrichter sind genau dafür ausgelegt. Wichtig ist nur, dass der Installateur die maximal zulässige Eingangsspannung (Volt) und den Eingangsstrom (Ampere) des Wechselrichters beachtet. Solange diese technischen Grenzwerte eingehalten werden, ist das „Clipping“ ein normaler und sicherer Betriebszustand.
Wie stark darf ich meinen Wechselrichter überbelegen?
Üblich und von den Herstellern freigegeben sind Werte zwischen 120 und 150 Prozent. Bei einer Ost-West-Ausrichtung, bei der die Leistungsspitzen nie gleichzeitig auftreten, kann man sogar noch höher gehen. Ein Fachbetrieb kann das Optimum für Sie berechnen.
Gilt das auch für Balkonkraftwerke?
Ja, unbedingt! Das Prinzip ist genau dasselbe und wird bei vielen Balkonkraftwerk-Komplettsets angewendet. Eine typische Konfiguration – zwei 430-Wp-Module (insgesamt 860 Wp) an einem 800-Watt-Wechselrichter – nutzt die Überbelegung, um auch bei nicht optimaler Ausrichtung auf dem Balkon oder an bewölkten Tagen einen konstanten und hohen Ertrag zu sichern. Wenn Sie neugierig sind, was ein Balkonkraftwerk ist, finden Sie hier alle Grundlagen.
Eine PV-Anlage ist mehr als die Summe ihrer Teile. Es geht nicht darum, die größten Zahlen auf dem Datenblatt zu haben, sondern darum, ein intelligentes System zu schaffen, das unter den realen Bedingungen bei Ihnen vor Ort die beste Leistung bringt.
Die Überbelegung des Wechselrichters ist ein Paradebeispiel für eine solche kluge Planung. Sie opfern eine theoretische Leistungsspitze, die Sie ohnehin kaum nutzen könnten, und gewinnen dafür das ganze Jahr über mehr sauberen Strom. Es ist ein Ansatz, der auf gesundem Menschenverstand und technischem Know-how basiert – genau die richtige Strategie für eine nachhaltige und wirtschaftliche Energieversorgung in der Region Hilpoltstein und Neumarkt.
Möchten Sie tiefer in die Planung Ihrer eigenen Solaranlage einsteigen? Entdecken Sie in unserem Ratgeber, ob sich eine PV-Anlage mit Speicher für Sie rechnet und wie Sie die perfekte Größe für Ihr Zuhause finden.